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Open Source für Cloud-Technologien: Warum Schwarm-Intelligenz der richtige Weg ist

Open-Source-Lösungen hängt bisweilen ein schlechter Ruf nach. Das Gegenteil ist der Fall: Gerade bei komplexen Technologien brauchen wir Unabhängigkeit und verteilte Ressourcen.

Seit einiger Zeit bin ich infolge eines Projekts aktiver Committer in der Apache Software Foundation. Das ist mir als Architekt von Cloud-Lösungen persönlich wie beruflich sehr wichtig – und ich möchte hier einmal erklären, warum.

Erstens: Man teilt die Ressourcen für die (durchaus aufwändige) Weiterentwicklung auf deutlich mehr Schultern auf. Auf diese Art und Weise kann man gemeinsam weiter entfernte Ziele erreichen – und mit vereinter Kraft größere Probleme lösen.

Zweitens: Open Source bietet die besseren Anpassungsmöglichkeiten, denn es gehört keinem wirklich. Keiner kann die Entwicklung alleine steuern. Schließlich entscheiden die Anwender gemeinsam, welche Funktionen und Features als nächstes benötigt und dementsprechend entwickelt werden müssen.

Zwei Vorteile, die Anbieter-abhängige Lösungen nicht haben.

Denn ein einzelner Anbieter wird einerseits immer wieder einmal alleine und bisweilen an den Wünschen der Anwender vorbei über die nächsten Entwicklungsschritte entscheiden. Und er wird manchmal auf Hürden stoßen, die er mit seinem begrenzten Team alleine nur sehr schwer stemmen können wird.

Mit anderen Worten: Gerade bei komplexen Software-Lösungen brauchen wir Open-Source-Projekte, um nicht in falsche Abhängigkeiten und Sackgassen zu geraten. Besonders dann, wenn sie so elementare Funktionen erfüllen wie Cloud Services.

Denn Cloud-Lösungen gehören zu den tragenden Säulen des Internets. Ohne sie sind wesentliche Teile des Netzes, wie wir es kennen, nicht mehr möglich – etwa Streaming-Dienste, New Work- und Unified Communications-Lösungen oder auch die Mehrheit der mobilen Apps. Doch die Vielzahl der Anwendungen basieren auf einer immer kleineren Zahl von Cloud-Technologien.

Vertrauen dank Offenheit

Denn einerseits hat in den vergangenen Jahren eine Konzentration der Anbieter stattgefunden, so hat IBM etwa Red Hat geschluckt. In anderen Fällen ziehen Firmen bisherige Open Source-Lösungen so nah an sich heran, dass die freie Community verödet. Nur echte Offenheit schafft eben Vertrauen.

Die Folge: Es sind immer weniger wirklich lebendige und offene Lösungen verfügbar. Das halte ich persönlich für eine gefährliche Entwicklung. Wir als professionelle Anwender müssen dafür Sorge tragen, dass Open Source nicht weiter verkümmert – oder eines Tages gar ausstirbt.

Denn es gibt einen echten Mehrwert für Unternehmen, die sich für Open Source öffnen und ihre Teams mitarbeiten lassen:

  • Sie können aktiv Einfluss auf die Entwicklung von Zukunftstechnologien nehmen;
  • Sie erhalten Kontakte und Ansehen innerhalb der Community – was auch wertvoll für den Support sein kann;
  • Zudem fallen beim Einsatz von Open Source unter normalen Umständen geringere Kosten an.

Und, nicht zuletzt: Durch den Einsatz von Open Source pflegt und hält man sich Know-How im Unternehmen – geteiltes Wissen, das letztendlich die eigenen Teams, das Unternehmen und die Industrie insgesamt stärker macht.

Open Source muss weiterleben

Die Apache Software Foundation ist tatsächlich einer der letzten Leuchttürme, bei denen viele unterschiedliche Firmen und auch User gemeinsam am Fortbestand der Lösung mitarbeiten. Und zwar so, wie es sich für Open Source gehört: Es braucht einerseits einen Schirmherren, der sich für den Organisationsrahmen zuständig fühlt, ohne dass dieser die Entwicklung zu sehr an sich reißt und Entscheidungen monopolisiert.

OpenSource ist ein hochsensibles Gerüst und kann unter den falschen Umständen ganz schnell sterben. Das darf nicht passieren.

Sorgen wir also gemeinsam dafür, dass es nicht so kommt. Vor allem bei wichtigen Technologien wie Cloud-Lösungen.