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System-Sanierung durch Data Access Layer: Dolmetscher zwischen den IT-Generationen

IT-Infrastruktur steht vielerorts durch neue Kundenanforderungen vor einem kompletten Generationswechsel. Alte Systeme halten den heutigen Anforderungen nicht mehr Stand. Die Lösung liegt in einer individuellen Middleware. Sie hat gleich zwei Vorteile.

Andreas P. ist ein enthusiastischer Mensch – und als er an die Spitze der IT-Abteilung eines großen deutschen Stadtwerks rückte, sprühte er nur so vor Tatendrang und Ideen. Doch schon die erste Bestandsaufnahme der Systeme führte zur Ernüchterung: Das ist ja alles gar nicht machbar!

Stadtwerke – historisch gewachsen

Stadtwerke stammen aus einer Zeit des Quasi-Monopols der Energieversorgung. Selbst wer heute noch in eine neue Stadt umzieht, erliegt dem Reflex: Telefonanschluss ummelden, Nachsendeauftrag einrichten – und Stadtwerk für Strom, Wasser und Gas wechseln. Doch mit der Liberalisierung des Energiemarkts kam die Wahlfreiheit, und mit der Wahlfreiheit die Konkurrenz für die Stadtwerke.

Sie müssen sich nun gegen neue Ideen, Konzepte und Angebote wehren. Grünstrom, Billigangebote, reine Internet-Verträge ohne Servicepersonal: Auch in der Energiebranche haben ganz unterschiedliche Anbieter ihre Nischen gefunden und besetzt.

Dagegen haben historisch gewachsene Stadtwerke erst einmal schlechte Karten. Sie müssen sich dringend bewegen – findet auch Andreas P., der IT-Leiter. Und seiner Abteilung kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Denn: Die IT ist zentraler Prozessverwalter – und Ermöglicher insbesondere beim Kundenkontakt. Schließlich kommuniziert die ganz überwiegende Mehrheit der Kunden nur noch digital.

König Kunde, Herr der Daten

In Richtung Digitalisierung will auch das Stadtwerk steuern. Künftig sollen Kunden alle Verträge, Produkte, Services und Konten selbstständig und komplett über alle Stadtwerks-Sparten hinweg per Internetseite oder mobiler App steuern können. Eine komplett neue Welt der Beziehung zwischen Kunde und Stadtwerk soll entstehen, dank neuer, digitaler Frontend-Dienste. Kunden sollen ihre Zähler sollen Kunden eigenständig ablesen können – für manches Stadtwerk eine Revolution. Dabei lauert schon der nächste Evolutionsschritt: Die Ablesung geschieht dann komplett digital per Funk ohne Zutun des Kunden.

Doch genau dort liegt der Hund begraben: Die Kunden-Datensätze des Stadtwerks sind genauso veraltet wie die Prozesse, mit denen sie verwaltet werden – und zudem nicht zentral an einem Ort gespeichert, sondern verteilt auf mehrere, voneinander strikt getrennte Datenbanken. Die eingesetzten Backend-Systeme erfassen zwar Kontoinformationen, Zählernummer, Vertragsnummern oder Stammdaten der Endkunden. Jedoch sprechen die Systeme nur ungenügend miteinander, und jeder Eingriff ist ein Vabanque-Spiel.

Kurz: Andreas P. ist zwar Herr der Systeme, jedoch sind diese bis zur Unkenntlichkeit an die Anforderungen des jeweiligen Stadtwerks angepasst und voll von ineinander verschränkten und voneinander abhängigen Altlasten im Backend. Das wackelige Konstrukt wird aufs Nötigste zusammengehalten von teuren Lizenzen und noch teureren, vielleicht sogar externen Spezialisten für jede noch so kleine Anpassung. Eine grundlegende Weiterentwicklung? Nicht möglich – jedenfalls nicht, ohne massiv Kosten zu erzeugen.

Systeme kernsanieren – nur wie?

Wie soll nun die neue, hippe Generation der digitalen Kundenservices mit dem Altlasten-Geschwulst diverser Datenbanken und Altsysteme vernünftig kommunizieren? Die Lösung liegt in einer Schicht dazwischen: in einem neuen Data Layer, der zwischen neuer und alter Welt vermittelt. Der als zentrale Kommunikationsschnittstelle, Übersetzer ist und – das ist besonders wichtig – als kurzfristiger Datenspeicher dient.

Diese sogenannte Data Access Layer schützt beide Systeme vor Überforderung, indem sie mit alter und neuer Welt auf Augenhöhe kommuniziert – ein komplexes Stück Software, das ganz spezifisch für diesen einen Einsatz bei diesem einen Stadtwerk geschrieben ist. Sie kann gefahrlos gezielt Datenfragmente aus unterschiedlichen Ecken der Altsysteme herausholen und sie zu sauberen, umfassenden und veränderbaren Stammdatensätzen zusammenzuführen.

Der wichtige Unterschied zu den Datenbanken der Altsysteme: Der zentrale Data Access Layer bietet immer nur die aktuellste Sicht auf einen Datensatz – und keine historischen Reste von Datensätzen wie etwa alte Telefonnummern und E-Mail-Adressen, die irgendwann einmal hinterlegt waren. Das hat auch Vorteile, denn so entledigt man sich unliebsamen Altlasten.

Erste Stabilität, dann Migration

Doch ist der Data Access Layer einmal eingezogen und versorgt die neuen Kundenportale mit sauberen Daten, kann das IT-Team nun zum Herz der Altsysteme vordringen, ohne den Betrieb zu gefährden. Denn der Data Access Layer hat ihnen für einen begrenzten Zeitraum Luft verschafft und garantiert auch in Zukunft eine höhere Ausfallsicherheit.

Sie ist aber keine Dauerlösung – eine neue langfristige Backend-Lösung muss her. Dank des Data Access Layers können die alten Systeme risikofrei abbauen, eine unternehmensweite Lösung mit generischen Datenmodellen aufsetzen und Stammdaten nun zentral über geregelte Serviceschnittstellen und eine klar dokumentierte Architektur zur Verfügung stellen.

Andreas P. jedenfalls ist zufrieden: Er hat nun seine IT-Infrastruktur auf Vordermann gebracht, unternehmensweite Prozesse umgekrempelt und optimiert – und die Customer Experience seines Stadtwerks ins 21. Jahrhundert katapultiert. Und das alles dank eines zentralen Data Access Layers.

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Berät Unternehmen zu komplexen Themen der Digitalisierung
Leipzig