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Cloud ist nicht gleich Cloud

Viele Menschen können sich unter „der Cloud“ wenig vorstellen. Dabei gibt es etliche unterschiedliche Verwendungszwecke und Ausprägungen. Die Zukunft gehört denen, die die richtige Balance zwischen privater und öffentlicher Cloud finden.

Die Cloud, das unbekannte Wesen? Mitnichten: Spätestens seit den 2010er Jahren gilt die Cloud als eines der Pfeiler des Informationszeitalters, als Wundermittel für alle möglichen Digitalisierungs-Dienste. Das lässt sich besonders gut an den stark boomenden Angeboten der amerikanischen Platzhirsche erkennen: Amazon mit seinem AWS-Dienst genauso wie Microsoft mit Azure verzeichnen seit Jahren schier unglaubliche Zuwachsraten. Damit haben sie sich als Teil der weltweiten Internet-Infrastruktur unentbehrlich gemacht.

Doch nicht für jedes Gewerbe, nicht für jeden Zweck sind diese uniformen Public Clouds das passende Werkzeug. Einerseits sind manche Daten zu kritisch, als dass man sie in einem Serverpark ablegt, den man mit vielen anderen teilt – etwa im medizinischen Umfeld oder bei Forschung und Entwicklung. Zum anderen braucht es für manche Branchen Cloud-Dienste, die wirklich immer verfügbar sind – und bei denen klare Zuständigkeiten, Abläufe und vor allem auch Ansprechpartner für Verlässlichkeit sorgen. Kritische und öffentliche Infrastruktur wie Stromnetze oder Krankenhäuser zählen hier dazu.

Drei Zutaten der Cloud

Doch was ist eine Cloud eigentlich – woraus besteht sie? Die Cloud ist nichts als ein Park von vielen Rechnern, die per Internet erreichbar sind. Drei Zutaten definieren die klassische Aufstellung: Rechenleistung, Speicherplatz und Arbeitsspeicher. Diese Dreifaltigkeit hat bis heute noch Geltung – und doch hat sie sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Denn wo früher Veränderungen der Konfiguration so aufwändig waren, dass ganze Racks heruntergefahren werden mussten und erhebliche Downtimes zustande kamen, ist heute maximale Flexibilität an der Tagesordnung.

Sogenannte Software Defined Networks helfen heute dabei das Netz einfacher zu verwalten. Die Hardware muss nicht mehr manuell konfiguriert werden und geben dem Administrator größtmögliche Flexibilität, um abgekapselte, autarke Umgebungen mit wenigen Klicks zu konfigurieren und aufzusetzen.

Damit werden private Clouds zur echten Alternative zu den großen Anbietern, denn die komplexen Infrastrukturen eines Rechenzentrums lassen sich mit vergleichsweise kleinem Aufwand in kleinere, elastische Infrastrukturen herunterbrechen.

Die Landschaft der Lösungen für solche privaten Clouds ist riesig. Sie unterscheiden sich bisweilen drastisch im Funktionsumfang und in der Entwicklungsgeschwindigkeit. Eine attraktive, offene Variante ist CloudStack. Es kombiniert die Stärken beider vorangegangener Lösungen, ist ein funktionierendes, ausgereiftes Produkt und lebt von einer aktiven Community. Ich selbst nutze CloudStack für mehrere der Projekte, an denen ich arbeite.

Das Ziel ist es, ein Portfolio von Lösungen bereit zu halten, um Cloud-Komponenten agil und flink an die jeweiligen Anforderungen des Projektes anpassen zu können – und zwar, anders als früher, ohne viel Menpower.

Public und private Cloud schließen sich nicht aus

Derzeit lässt sich auch die Tendenz beobachten, Public Clouds in Private Clouds zu erweitern. Man setzt also den unkritischen Teil bei den großen, bekannten Anbietern ab und zimmert sich für sensible Bereiche eine kleine, maßgeschneiderte private Cloud. Gerade dann ist jedoch auch Vorsicht geboten: Denn die Schnittstellen zu Public Clouds müssen absolut hermetisch sein, um höchste Datensicherheit zu gewährleisten.

Diese Vermengung von Public und Private Cloud ist jedoch möglich – und notwendig! Denn einerseits sind die großen Anbieter in einigen Disziplinen ungeschlagen – unter anderem natürlich beim Preis. Andererseits können sie lange nicht alle Bedürfnisse abdecken. Und man sollte sich nie von einem Anbieter abhängig machen: Denn wenn der plötzlich seine Strategie ändert, können ganze Geschäftsmodelle baden gehen.

Meiner Meinung nach werden die Unternehmen gewinnen, die weiterhin das Know-How der Private Cloud halten und sich dennoch für Public Cloud öffnen. Mehr noch: die geschickt Teile der Infrastruktur der großen Anbieter nutzen. Etwa, indem man die Interkontinental-Datenkabel von Amazon nutzt. Und dann aber eigene Server mit höherem Service Level Agreement für die Datenlagerung und -verarbeitung nutzt.

Dank der richtigen Balance zwischen Private und Public Cloud werden neue Geschäftsmodelle entstehen, von denen viele Unternehmen und Branchen in Zukunft profitieren werden. Für sie alle wird die Cloud bald kein unbekanntes Wesen mehr sein, sondern ein passgenaues Tool für ihren neuen, besseren, digitalen Arbeitsalltag.