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Digitalstrategie: Was der Staat jetzt tun muss, um die IT-Wirtschaft zu fördern

Pünktlich zur Bundestagswahl 2017 übertreffen sich die Parteien mit Forderungen zur Digitalisierung. Wir denken: Lasst auch die Wirtschaft zu Wort kommen! Nun denn: Hier unsere Thesen und Vorschläge, was sich in den kommenden Jahren bewegen müsste – aus der unternehmerischen Sicht. Unser vierter – und finaler Teil: Welchen Nährboden die hiesige Digitalwirtschaft benötigt.

Politiker blicken aus der falschen Perspektive auf die Digitalisierung. Es braucht eine völlige Neuordnung und ein großangelegtes Umdenken. Digitalisierungs-Initiativen müssen nachhaltig gefördert werden.

Ich gehöre einer Generation an, die allgemein als digital natives, als Eingeborene des digitalen Zeitalters bezeichnet werden. Auch deswegen mag ich es, Unternehmen in Sachen IT auf die Sprünge zu helfen. Ich sehe die hiesige Wirtschaft unter einem anderen Blickwinkel als so manch alter Hase, dem sich die Vorteile der Digitalisierung gegebenenfalls nicht so schnell erschließen.

Und da habe ich eine sehr klare Meinung. Ich denke: Wir Deutschen dämmern in Sachen Digitalisierung dahin. Es fehlt an einer umfassenden gesellschaftlichen Digitalstrategie, um Staat und Wirtschaft nachhaltig durch die vierte industrielle Revolution zu führen.

Das nagt an mir. Meckern kann allerdings jeder. Deswegen habe ich mir Gedanken gemacht, wie wir als Land – und insbesondere unser Staat – die Digitalisierung unserer Wirtschaft vorantreiben könnten. Es folgen: Meine drei Vorschläge für eine deutsche Digital-Strategie.

1. Digitale DNA: Neuordnung der politischen Kompetenz, Aus- und Weiterbildung

Im ersten Schritt braucht es einen roten Faden der Digitalisierung quer durch alle Ministerien – wie in einem unserer vorhergehenden Blog-Beiträge ausführlich erläutert. Die DNA einer deutschen Digitalpolitik entsteht nur durch eine komplette Neuordnung und Weiterentwicklung der Kompetenzen.

Anstelle dreier Ministerien, die bisher die Steuerung übernehmen, sollten alle Ministerien mit ihrer eigenen digitalen Agenda in den Mittelpunkt rücken. So werden die Ressortziele für die Digitalisierungsstrategie maßgeblich – und nicht umgekehrt. Ähnlich wie bei agiler Entwicklung könnten übergreifende Pools von Experten als Schnittstellen zwischen den Ressorts dienen, um Synergieeffekte zu generieren. Diese Experten-Pools könnten gleichzeitig den wichtigen Austausch mit der Digitalwirtschaft befeuern.

Nicht zuletzt braucht es aber noch Nachschub an Expertenwissen. Deswegen müssen, genauso wie die Ministerien selbst, Schulen den Umgang mit Informationstechnologie noch viel stärker als bisher und transversal im Unterricht verankern. Und auch in den Ministerien und Ämtern muss mehr Wert auf Weiterbildung gelegt werden. Digitalkompetenz lässt sich erlernen, und sie wird in Behörden dringend benötigt. Ein Bewusstsein für die Möglichkeiten der Informationstechnologie schärft nämlich auch die Angestellten und Beamten selbst, Vorschläge zu machen und nach besseren Lösungen Ausschau zu halten.

2. Fruchtbarer digitaler Nährboden: Infrastruktur, Regulierung und Wettbewerb

Ist der Grundstein durch transversales Denken innerhalb der Ministerien, Ämter und Schulen gelegt, müssen mithilfe dieses neuen Mindsets die technologischen und rechtlichen Rahmenbedingungen stark verbessert werden.

Wichtigster technologischer Aspekt ist nach wie vor die Infrastruktur als digitaler Nährboden. Bevölkerung und Wirtschaft benötigen endlich ein bundesweit lückenloses, belastbares und verzögerungsfrei arbeitendes Netz – und zwar bitte vorrangig per Funk. Denn Fakt ist: Keine noch so gute digitale Lösung kann gedeihen, wenn sie in der Praxis an niedrigen Datenraten verhungert.

In dieselbe Kerbe schlägt die Regulierungs- und Wettbewerbspolitik. Einzelne digitale Pflanzen dürfen nicht übermäßig über andere hinauswachsen und diese in den Schatten stellen. Gleichsam müssen viele unserer Rechtstexte ein Upgrade erfahren – insbesondere in Sachen Verbraucherschutz, Datensouveränität und Schutz geistigen Eigentums. Hier muss der Staat als Gärtner Ordnung halten.

Außerdem muss der digitale Nährboden frei von Schädlingen bleiben: IT-Sicherheit muss zu einem flächendeckenden Hygienefaktor der deutschen Wirtschaft werden. Neben der bereits begonnenen Ausweitung der Richtlinie für sogenannte kritische Infrastrukturen muss jetzt die Verpflichtung aller Unternehmen auf ein Mindestmaß an IT-Sicherheit folgen. Auch die Sicherheit der staatlichen Informationstechnologie sollte regelmäßig auditiert werden – schließlich möchten wir nach dem 24. September nicht über mögliche Wahlmanipulationen sprechen, sondern über Inhalte.

3. Pflege der zarten Pflänzchen: Wirtschaftsförderung und Gründerprogramme

Ist der Nährboden einmal geschaffen, geht es um Hege und Aufzucht der zarten Pflänzchen der Digitalisierung. Und hier sehe ich zwei „Wachstumsmittel“.

Die deutsche Wirtschaft braucht einerseits Unterstützung bei gewichtigen Digitalisierungs-Projekten. Deswegen wären Investitionszuschüsse für Digitalisierungsprojekte sinnvoll, sofern diese gesellschaftlich relevant und wirtschaftlich nachhaltig sind. Der Mittelstand als Exportmotor und Rückgrat der Wirtschaftskraft muss hier besonders gefördert werden.

Und dann: Mehr Mut zu Neuem! Um die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft langfristig zu sichern, müssen Förderprogramme für Gründungen ausgeweitet werden. Und ambitionierten Menschen aus der Wissenschaft sollte der Sprung in die Firmengründung so leicht wie möglich gemacht werden – oft stammen die spannendsten Innovationen aus der Forschung.

Digitalisierung ist immer Schnittstellen-Thema

Ich als digital native mit Finance-Background mag sicherlich eine gefärbte Meinung zum Thema haben. Für mich zählt allerdings, dass die Digitalisierung zur nachhaltigen Stärkung der Wirtschaft beitragen und zum Treiber der Verbesserung staatlicher Aufgaben werden muss. Und dafür braucht es eben ein Umdenken in der Politik – und den richtigen Nährboden.

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Liebt Digitalisierung, Finanzmärkte und alles, was unsere Gesellschaft bewegt.
Leipzig