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Weltrettung durch Cyberbrille: Wie wir Emotionen imprägnieren können

Megatrend Augmented Reality – nachdem 2016 Cyberbrillen einer der prägenden Trends auf der SXSW waren, schwappen sie nun auch zur CeBit. Haben wir hier bei aller Spielerei einen Schlüssel zur Weltrettung?

Vor zwei Jahrzehnten schon schrieben kluge Köpfe Bücher darüber, wie man die Welt rettet und sich dabei amüsiert. Ihre fortschrittsironische These: Lasst uns nur tief genug in die schöne neue Welt des Digitalen eintauchen – letztendlich wäre das zum Wohle aller, denn digitale Welten sind billiger und ökologischer als etwa Fernreisen oder Festivals.

Wären die Autoren von damals über die diesjährige CeBit 2017 gewandelt, sie hätten Ihre helle Freude gehabt. Im ersten Drittel der Halle 17 reihte sich eine virtuelle Realität an die andere. First-Person-Shooter, Kletterpartien, Fußball … Schlangen vor den Ständen zeugten vom Publikumserfolg.

Den Sog der virtuellen Realität emotional nutzen

Doch der eigentliche Einsatz von Cyberbrillen wird in Zukunft ein anderer sein. Mithilfe neuartiger 360-Grad-Filmkameras und einem totalen Eintauchen in virtuelle Welten könnten Weltsichten regelrecht imprägniert werden. Ein Beispiel direkt von der CeBit: Dokumentarfilmer können die Effekte des Klimawandels in der Arktis in nie gekannter Dramatik festhalten. Das Ergebnis verblüfft und überzeugt in neuer, ungekannter Weise. Fakten und Gefühl vermischen sich endgültig durch das hyperrealistische Erlebnis.

Man nehme nun einen Klimaskeptiker, am besten einen mit relevantem gesellschaftlichen Einfluss – etwa den amerikanischen Präsidenten. Zusätzlicher Vorteil hier: Trump ist Fernsehjunkie, und wird sich dem Sog einer virtuellen Erkundung des Polares mit Sicherheit nicht entziehen. Eine virtuelle Reise zum schmelzenden Nordpol könnte seine Meinung ins Wanken bringen. Weitere Vorschläge: die Flucht eines Südamerikaners gen Norden aus Ich-Perspektive. Oder eine friedvolle Erkundung Mekkas samt tiefen Einblick in die friedliche Kultur des Islam. Oder ein Flug über die Publikumsmassen bei Obamas und Trumps Amtseinführung.

Lasst uns Trump und Co. die Welt durch Cyberbrillen erklären. Seiner Entscheidungsfindung kann dies nur zuträglich sein. Virtuelle Realitäten als Schlüssel zur Weltrettung: Das macht Hoffnung in einer Zeit, in der alternative Fakten die Schlagzeilen gefühlt bestimmen.

Im schlimmsten Falle bleiben wir zu Hause

Sollte Trump sich dennoch unerwartet den Botschaften der Cyber-Realität entziehen, so bleibt dennoch Hoffnung für den Rest der Menschheit. Denn wenn die neuen Nationalisten tatsächlich beschließen, Grenzen wieder zu verstärken, so reißt sie die Digitalisierung dennoch nieder: Dann erkunden wir anatolische Gefilde oder den Grand Canyon – per Cyberbrille.

Foto: Guido van Nispen